Projektstudium im SoSe 2026: Zur Bildung antifaschistischer und demokratischer Persönlichkeiten: Konse­quenzen aus dem Werk von Konrad Wolf

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Ab dem 9.4.26 donnerstags 12:15 – 13:45 Uhr in R05 (VMP 8)

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Liebe Kommiliton:innen,
im Sommersemester 2026 startet im Fachüberschreitenden Be­reich (FüB) der Fakultät Erziehungs­wissenschaft sowie im freien Wahlbereich ein neuer Durchgang des studentisch erstrittenen Projekt­studiums „Universität in gesellschaftlicher Verantwor­tung“.

Wir möchten Euch zu diesem auf drei Semester angeleg­ten Semi­nar herzlich einladen, das im Zeichen antifaschisti­scher Bildung stehen wird.

Zur Einführung

Wie kann die Entwicklung zu antifaschistischen und demokrati­schen Persönlichkeiten gelingen? – Diese hochaktuelle Frage be­schäftigte auch den Filmemacher Konrad Wolf (1925-1982) in sei­nen Werken.

Konrad Wolf war ein wich­tiger Regisseur und von 1965-1982 Präsident der Akademie der Künste der DDR. Nach seiner Flucht vor den deutschen Faschisten wuchs er als Jugendlicher in Moskau auf und schloss sich im Alter von 17 Jahren im Jahr 1942 (freiwillig) der Roten Armee an, wo er der sogenannten Politabteilung zugeteilt wurde. Sie leistete Aufklärungsarbeit, übersetzte sowjetische Flugblätter ins Deutsche und Nachrichten der Alliierten ins Russische. Mit­tels Lautsprecheranspra­chen und ausgewählten Musikstücken arbeitete Wolf daran, deutsche Soldaten zum Niederlegen der Waffen zu bewegen. Er war beteiligt an der Befreiung Berlins am 2. Mai sowie der bedingungs­losen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945.

Diese Erfahrungen verarbeitet er u.a. in seinem Film „Mama, ich lebe“ (1977), in dem vier junge Deutsche, ehema­lige Wehrmachtssoldaten, in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager antifa­schistisch geschult werden und sich ent­scheiden, an der Seite der Roten Armee zu kämpfen – und dort zwischen Misstrauen und eigener Identi­tätskrise im­mer wieder beweisen (müssen), wo sie ste­hen.

Eine zentrale Schlussfolgerung aus der Befreiung vom Faschismus ist der Appell „Nie wieder Fa­schismus! Nie wieder Krieg!“ und die damit verbundenen, jedoch noch nicht verwirklichten An­sprüche an die Ge­staltung einer menschenwürdigen Gegenwart und Zukunft, von Frie­den, sozialer Gleichheit, internationaler Solidarität, Demokratie und kultureller Entfaltung.

Konrad Wolfs Filme sind geprägt von seinem humanistischen und anti­faschistischen Anspruch, die vorhandenen gesellschaftlichen Wider­sprüche anhand der Protagonisten durchschaubar und letztlich über­windbar zu machen. Mit diesen Widersprüchen, die je persönlich zum Ausdruck kommen, und deren aktueller Bedeutung wollen wir uns im Projektstudium beschäftigen.

Was bedeutet das für uns heute? Was haben wir vor?

In einer Zeit des Aufschwungs der politischen Rechten, allen voran der AfD, die auf Verschärfung der bestehen­den Un­gleichheitsverhältnisse zielt, um einen gesellschaftlichen Aufbruch zu verhin­dern, während gleichzeitig alle materiel­len Möglichkeiten für eine Entwicklung zum Frieden und sozialer Gleichheit vorhanden sind, ist eine zentrale Frage für die Erziehungswissenschaft, wie anti­faschistische und demokratische (Persönlichkeits-)Bil­dung gelingen kann und was sie ausmacht. Dieser Bildungsanspruch betrifft alle Beteiligten im pädagogischen Setting:- Pädagog:innen („Er­ziehung der Erzieher“) wie das Gegenüber (Kinder, Jugendliche und Erwachsene).

Dafür wollen wir uns in dem auf drei Semester angelegten Projektstudium intensiv mit dem filmi­schen Werk sowie der Biografie Konrad Wolfs auseinandersetzen.

Im 1. und 2. Semester wollen wir uns vor allem von den folgenden Filmen anregen lassen und sie mit Bezug auf die aktuellen gesellschaftlichen Widersprüche und deren Aufhebung kritisch disku­tieren: Mama, ich lebe (1976), Ich war neunzehn (1968), Der geteilte Himmel (1964), Der nackte Mann auf dem Sportplatz (1974) und Solo Sunny (1980).

Im Laufe des 2. Semesters sowie im 3. Semester wollen wir selbst ein filmisches Projekt auf den Weg bringen, in dem wir die Kernfragen aus den von uns diskutierten Filmen Konrad Wolfs auf­greifen, Passagen der Filme zitie­ren, re-inter­pretieren und ins Verhältnis zu den aktuellen gesell­schaftlichen Verhältnissen setzen. Damit wollen wir versuchen, Antworten auf die Frage zu geben, wie die Entwicklung antifaschistischer und demokratischer Persönlichkeiten er­möglicht werden kann.

Formales bzw. Infos zur Anmeldung

Das Projektstudium ist auf eine Dauer von insgesamt drei Semestern an­gelegt. Das erste Semester ist das Basismodul und kann auch eigen­ständig besucht werden. Semester 2 und 3 sind das Aufbau­modul und können nach Semester 1 angewählt werden. Anmelden kann man sich zunächst nur zum 1. Semester über den FÜB-Wahlpflichtbereich der Fakultät für Er­ziehungswissenschaft und über den freien Wahlbereich. Die Veranstaltungsnummer lautet 47-020.

Studierende aus anderen Fakultäten sind herzlich willkommen!

Bei Fragen oder Problemen bei der Anmeldung, schreibt gerne an die fol­gende E-Mail-Adresse: Sinah.Mielich@uni-hamburg.de.

Für nähere Informationen zu den bisherigen Durchgängen des Projektstu­diums vgl. https://aufbruch.blogs.uni-hamburg.de

Literatur

Antifaschistische Initiative in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (1980): Wie Faschismus ent­steht – und verhindert wird: Materia­lien vom Antifaschistischen Kongreß Mannheim, Frankfurt am Main: Röderberg-Verlag

Filmmuseum Potsdam (2025): Wer war Konrad Wolf?, Podcast-Reihe,
https://wer-war-konrad-wolf.de

Kühnl, Reinhard (1984): Formen bürgerlicher Herrschaft. Liberalismus – Fa­schismus, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt

Richter, Helmut (1986): (Sozial-)Pädagogik und Faschismus. Anfragen zur Kontinui­tät und Diskon­tinuität, in: Otto, Hans-Uwe/ Sünker, Heinz (Hrsg.): Soziale Arbeit und Faschismus. Volkspflege und Pädagogik im Nationalsozia­lismus, Bielefeld: KT-Verlag, S. 89-122

Schui, Herbert (2014): Politische Mythen & elitäre Menschenfeindlichkeit, Hamburg: VSA Verlag

Vollmer, Antje/ Wenzel, Hans-Eckardt (2019): Konrad Wolf. Chronist im Jahrhundert der Extreme, Berlin: Die Andere Bibliothek

https://www.defa-stiftung.de/defa/biografien/kuenstlerin/konrad-wolf/

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